• Katrin

Karaoke-Bar – eine Erinnerung


Und da saß ich nun. Als Einkäuferin eines großen Konzerns nach langen Gesprächen. Und wo saß ich: Im 25.Stockwerk eines 5-Sterne-Hotels in Jakarta, neben mir meine Verhandlungspartner, ein indonesischer Geschäftsführer, daneben der Inhaber eines schwedischen Unternehmens. Wir saßen in der Karaoke-Bar, zu viert. Mit mir noch ein Kollege, der für die technischen Fragestellungen zuständig war, des Englischen nicht mächtig und lustlos oder vielleicht auch eher schüchtern und ängstlich, Einkaufsverhandlungen in Jakarta zu führen.


In der Falle

Nachdem wir am Tag vorher die Fabrikbesichtigung gemacht hatten, die inhaltlichen Themen besprochen hatten, hatte der indonesische Geschäftspartner gastfreundlich in die Karaoke-Bar eingeladen. Erholt, aber auch energetisiert und erschlagen von einer Thai-Massage saß ich dort und dachte – Au Mist. Karaoke und Singen - das ist gar nicht Dein Metier! Und ich sah den Kollegen an und dachte – Auweia – das geht übel aus, heute! Er fand die Thai-Massage schon zu viel, dann das vegane Essen und jetzt auch noch das.... Karaoke. In Indonesien. In Jakarta. Im 20. Stock. Im Separee. Ich sah es ihm an, alle Poren drückten dies aus, mein Versuch, ihn aufzulockern, scheiterte kläglich ...


Fast schon todesmutig

Und dann mein Gedanke, was kann ich persönlich jetzt tun, um den Abend trotzdem gelingen zu lassen? Was kann ich tun, damit wir hier gemeinsam rauskommen und das Gesicht vor unserem Lieferanten nicht verlieren? Und auch er sollte ja sein Gesicht auch nicht verlieren. Wo kommen jetzt meine persönlichen Ängste vor dem Lächerlich-Machen ins Spiel und wo bin ich einfach Business-Profi? Und nach einem weiteren Blick auf den Kollegen entschied ich mich für den Business-Profi ... und es tat gar nicht weh. Lauthals habe ich – vollkommen falsch und schief, Abba-Songs gesungen, Lieder, die ich vorher noch nie gehört hatte. Gelacht und tatsächlich im Tun, Freude bekommen. Der Kollege schlürfte Cocktails und versuchte, nicht anwesend zu sein. Ja und ich habe seinen Part mit übernommen. Dynamisch und kraftvoll und vollkommen schräg gesungen, egal. Ich habe es ausgehalten, weil es erstens auszuhalten war und zweitens ausgehalten werden musste … oder eben einfach besser war in diesem Fall. Die indonesische und schwedische Gastfreundschaft war nicht verletzt. Ich hatte alles getan, was meiner Meinung zu tun war, unabhängig von meiner Angst, mich zu blamieren. Darüber hinaus hatte ich versucht, meinen Kollegen nicht vorzuführen und trotzdem konnte ich es an dieser Front nicht recht machen. Aber mit diesem Kompromiss konnte ich leben.


Lesson learned

Und bis heute blitzt der Funke der „Karaoke-Bar“ öfter hoch, wenn ich in Situationen komme, in denen ich eigentlich nicht sein will, wo ich die Grenzen meiner Komfortzone deutlich spüre und nicht drum herum komme, etwas zu tun, weil nichts tun, geht nicht... Und dann taucht er auf, der Gedanke.... „Ach so schlimm war es doch gar nicht... damals in der Karaoke-Bar“.

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Katrin Busch-Holfelder